Die Lese‑Rechtschreibschwäche (oft auch als Legasthenie oder Lese‑Rechtschreib‑Störung bezeichnet) ist eine der am häufigsten erfassten Lernschwierigkeiten im schulischen Bereich. Sie betrifft das Erlernen und Anwenden von Lese‑ und Schreibfertigkeiten und wird international als Entwicklungsstörung eingeordnet. (BVL Legasthenie und Dyskalkulie)
Was ist eine Lese‑Rechtschreibschwäche?
Nach der Definition der WHO und relevanter Diagnoseschemata ist eine Lese‑Rechtschreibschwäche eine Störung, bei der das Niveau von Lesen und/oder Rechtschreibung deutlich unter dem der Altersgruppe liegt, ohne dass andere Ursachen wie Intelligenzminderung, fehlende Beschulung oder körperliche Beeinträchtigungen vorliegen. (BVL Legasthenie und Dyskalkulie)
Wie häufig ist die Lese‑Rechtschreibschwäche?
Die statistische Häufigkeit hängt stark von der Definition und den Messkriterien ab. Unterschiedliche Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen:
Deutschland – Variierende Schätzungen
- In einer großen deutschen Studie lagen die Schätzwerte je nach Diagnosekriterium zwischen etwa 1,9 % und 2,6 % der Kinder, wenn strenge Messmethoden verwendet wurden.
- Werden breitere Kriterien angesetzt (z. B. nur Leistungsdefizit ohne kognitive Diskrepanz), können Schätzwerte zwischen rund 7,1 % und 15,6 % der Schülerschaft erreicht werden. (The Dyslexia Compass)
Das heißt: Je nach Definition und Messverfahren können von rund 2 % bis über 15 % der Schülerinnen und Schüler betroffen sein. (The Dyslexia Compass)
Allgemeine Schätzbereiche
Unabhängig von Messmethoden gehen viele pädagogische Quellen davon aus, dass zwischen etwa 5 % und 10 % aller Kinder eines Jahrgangs Schwierigkeiten beim Erlernen von Lesen und/oder Rechtschreiben aufweisen, die über das normale Lernspektrum hinausgehen. (lernando)
Unterschiede zwischen Legasthenie und Lese‑Rechtschreibschwäche
- Legasthenie wird häufig als umfassenderer Begriff verwendet, der eine tiefere, klinisch relevante Störung beschreibt.
- Lese‑Rechtschreibschwäche (LRS) ist der pädagogisch gebräuchliche Begriff im deutschsprachigen Raum, der sowohl starke als auch mildere Ausprägungen umfassen kann, die schulische Leistungen beeinträchtigen. (BVL Legasthenie und Dyskalkulie)
Geschlecht und Betroffenheit
Zahlreiche Studien zeigen, dass Jungen häufiger betroffen sind als Mädchen, teilweise mit einem Verhältnis von etwa 2:1. Die genauen Gründe sind komplex und werden unter anderem mit genetischen und entwicklungsbezogenen Faktoren erklärt. (DGS e.V.)
Auswirkungen und Bedeutung
Eine ausgeprägte Lese‑Rechtschreibschwäche kann weitreichende Folgen haben:
- Schulische Leistungen: Schlechtere Leistungen in Kernfächern, Frustration und Schulangst
- Selbstwertgefühl: Betroffene Kinder erleben häufig emotionale Belastung und geringes Selbstvertrauen
- Lebenslanges Lernen: Schwierigkeiten können bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben, wenn sie nicht adressiert werden. (lernando)
Nach Schätzungen haben etwa 40–60 % der diagnostizierten Betroffenen zusätzlich psychologische Begleitprobleme wie Angst oder Aufmerksamkeitsdefizite. (PubMed)
Europaweite Zahlen
In Europa wird insgesamt angenommen, dass rund 8 – 10 % der Bevölkerung Anzeichen einer Lese‑Rechtschreibschwäche oder Legasthenie aufweisen – was Millionen Menschen betrifft. (DyslexicHelp)
Entwicklung und Förderung
Die Nachfrage nach Diagnostik und gezielter Förderung wächst, auch weil Kinder durch Ereignisse wie Schulschließungen während der Pandemie besonders belastet wurden und häufiger Förderbedarf gezeigt haben. (Studienkreis)
In vielen Bundesländern gibt es inzwischen gesetzliche Regelungen zum Nachteilsausgleich, etwa zusätzliche Prüfungszeit oder digitale Hilfsmittel für Betroffene mit offiziell diagnostizierter Lese‑Rechtschreibschwäche.
Fazit – Statistik kurz & bündig
- Prävalenz in Deutschland: Je nach Messmethode zwischen ca. 2 % und über 15 % der Schülerinnen und Schüler betroffenen sein können. (The Dyslexia Compass)
- Allgemeine Schätzwerte: Häufig wird ein Bereich von 5 – 10 % genannt. (lernando)
- Europaweit: 8 – 10 % der Bevölkerung zeigen typische Merkmale. (DyslexicHelp)
- Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. (DGS e.V.)
- Begleitprobleme wie psychologische Belastungen sind bei vielen Betroffenen vorhanden. (PubMed)
Wichtig: Weil die Zahlen stark von den verwendeten Definitionen und diagnostischen Kriterien abhängen, sollten Statistiken immer im Kontext ihrer Methodik betrachtet werden.
Wenn du willst, kann ich den Beitrag mit Grafiken, Altersgruppen‑Vergleichen oder historischen Trends ergänzen.