Die Lesekompetenz von Schülerinnen und Schülern in Deutschland lässt sich über mehrere große Bildungsstudien hinweg verfolgen. Für Grundschüler sind vor allem die IGLU-Studien relevant, die die Lesekompetenz am Ende der vierten Jahrgangsstufe untersuchen. Bei Jugendlichen liefert insbesondere die internationale PISA-Studie Daten für 15-Jährige.
Für 2026 ergibt sich dabei ein aktuelles Bild: Die jüngste IGLU-Erhebung für Deutschland stammt aus dem Jahr 2021; eine neue IGLU-Erhebung findet 2026 statt. Bei den Jugendlichen liegt dagegen seit September 2026 bereits der neue PISA-Jahrgang 2025 vor. Die Ergebnisse zeigen sowohl bei Grundschülern als auch bei Jugendlichen einen längerfristigen Rückgang der gemessenen Lesekompetenz.
Lesekompetenz in Deutschland im Zeitvergleich
Die beiden Studien verwenden unterschiedliche Skalen und Altersgruppen. Deshalb dürfen die IGLU- und PISA-Punktwerte nicht direkt miteinander verglichen werden. Sie eignen sich aber dazu, die Entwicklung innerhalb der jeweiligen Altersgruppe über die Zeit zu betrachten.
Grundschüler: IGLU-Lesekompetenz
IGLU beziehungsweise PIRLS untersucht die Lesekompetenz von Kindern am Ende der vierten Klasse. Deutschland nimmt seit 2001 regelmäßig an der Untersuchung teil. Die Erhebungen erfolgen grundsätzlich im Fünfjahresrhythmus.
| IGLU-Jahr | Durchschnitt Deutschland | Anteil unter Kompetenzstufe III |
|---|---|---|
| 2001 | 539 Punkte | 17,0 % |
| 2006 | – | – |
| 2011 | – | – |
| 2016 | 537 Punkte | 19,0 % |
| 2021 | 524 Punkte | 25,4 % |
| 2026 | Erhebung durchgeführt | Ergebnisse noch nicht veröffentlicht |
Die beiden besonders gut vergleichbaren Referenzwerte 2001 und 2016 zeigen zunächst eine relativ geringe Veränderung. Bis 2021 sank der deutsche Mittelwert dann deutlich auf 524 Punkte. Gleichzeitig stieg der Anteil der Viertklässler, die die Kompetenzstufe III nicht erreichten, von 17,0 Prozent im Jahr 2001 auf 25,4 Prozent im Jahr 2021.
Für 2026 gibt es bereits eine neue IGLU-Erhebung. Die KMK hatte bereits 2023 darauf hingewiesen, dass die nächste Erhebung 2026 stattfinden wird. Die Ergebnisse sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht veröffentlicht.
IGLU 2021: Ein Viertel der Viertklässler unter Kompetenzstufe III
Ein zentraler Befund der IGLU-2021-Ergebnisse betrifft die schwächeren Leserinnen und Leser. 25,4 Prozent der Viertklässler in Deutschland erreichten nicht mindestens Kompetenzstufe III.
Diese Stufe gilt in der IGLU-Systematik als wichtige Schwelle für den Übergang vom „Lesen lernen“ zum „Lesen, um zu lernen“. 2001 lag der entsprechende Anteil noch bei 17,0 Prozent und 2016 bei 19,0 Prozent.
Auch die Leistungsspitze veränderte sich: Der Anteil der Kinder auf der höchsten Kompetenzstufe V betrug 2021 8,3 Prozent. 2016 waren es 11,1 Prozent und 2001 8,6 Prozent.
| Kennzahl IGLU | 2001 | 2016 | 2021 |
|---|---|---|---|
| Durchschnittliche Lesekompetenz | 539 | 537 | 524 |
| Unter Kompetenzstufe III | 17,0 % | 19,0 % | 25,4 % |
| Kompetenzstufe V | 8,6 % | 11,1 % | 8,3 % |
Die Entwicklung zeigt damit nicht nur Veränderungen beim Durchschnittswert. Auch die Verteilung der Leistungen innerhalb der Schülerschaft hat sich verändert. Die Heterogenität der Leseleistungen nahm laut KMK seit 2001 zu.
Jugendliche: PISA-Lesekompetenz von 2000 bis 2025
Für Jugendliche lässt sich die Entwicklung über PISA deutlich länger verfolgen. Die Untersuchung testet Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren.
Die aktuellste PISA-Erhebung ist PISA 2025, deren Ergebnisse am 8. September 2026 veröffentlicht wurden. In Deutschland nahmen 6.659 Schülerinnen und Schüler aus 246 Schulen teil.
| PISA-Jahr | Lesekompetenz Deutschland | Entwicklung |
|---|---|---|
| 2000 | rund 484 Punkte | Ausgangspunkt |
| 2009 | rund 497 Punkte | höher als 2000 |
| 2012 | rund 508 Punkte | langfristiger Höchstbereich |
| 2015 | rund 509 Punkte | weiterhin hohes Niveau |
| 2018 | 498 Punkte | Rückgang |
| 2022 | 480 Punkte | weiterer Rückgang |
| 2025 | 465 Punkte | neuer Tiefststand |
Die PISA-Zeitreihe zeigt, dass die deutschen Ergebnisse zunächst anstiegen beziehungsweise relativ stabil blieben. Seit der Mitte der 2010er-Jahre ist dagegen ein deutlicher Rückgang zu beobachten. PISA 2025 erreichte mit 465 Punkten den niedrigsten in Deutschland gemessenen Wert seit Beginn der PISA-Erhebungen.
PISA 2025: Lesekompetenz der Jugendlichen sinkt weiter
Besonders deutlich ist der jüngste Rückgang zwischen 2022 und 2025. Der deutsche Mittelwert sank von 480 auf 465 Punkte. Das entspricht einem Rückgang um 15 Punkte innerhalb von drei Jahren.
Zum Vergleich: Der OECD-Durchschnitt lag 2025 bei 461 Punkten. Deutschland lag damit nur geringfügig über dem OECD-Mittelwert. 68 Prozent der 15-Jährigen in Deutschland erreichten mindestens Kompetenzstufe 2. Im OECD-Durchschnitt waren es 69 Prozent.
| PISA 2025 – Lesekompetenz | Deutschland | OECD |
|---|---|---|
| Mittelwert | 465 Punkte | 461 Punkte |
| Mindestens Kompetenzstufe 2 | 68 % | 69 % |
| Kompetenzstufe 5 oder höher | 7 % | 6 % |
Kompetenzstufe 2 beschreibt bei PISA ein grundlegendes Niveau: Schülerinnen und Schüler können unter anderem die Hauptaussage eines Textes mittlerer Länge erfassen und Informationen nach expliziten, teilweise komplexen Kriterien finden.
Anteil leseschwacher Jugendlicher steigt
Neben dem Durchschnittswert ist der Anteil der Schülerinnen und Schüler unterhalb der grundlegenden Kompetenzstufe besonders aussagekräftig.
2025 erreichten in Deutschland etwa 68 Prozent mindestens Stufe 2. Daraus ergibt sich, dass ungefähr 32 Prozent unter diesem Mindestniveau lagen. Die OECD weist außerdem darauf hin, dass sich der Anteil der leistungsschwachen Schülerinnen und Schüler unterhalb von Kompetenzstufe 2 gegenüber 2015 um 15 Prozentpunkte erhöht hat.
Damit lässt sich die Entwicklung nicht allein als Verschiebung des Durchschnittswertes beschreiben. Auch der Anteil der Jugendlichen mit besonders niedrigen Lesekompetenzen hat sich verändert.
Grundschule und Jugendalter im gemeinsamen Überblick
Eine direkte Zusammenrechnung der IGLU- und PISA-Werte wäre nicht sinnvoll. Die Untersuchungen haben unterschiedliche Altersgruppen, Aufgaben und Skalen. Als langfristige Bildungsindikatoren lassen sie sich jedoch nebeneinanderstellen.
| Altersgruppe | Studie | Zeitraum | Aktuellster Wert | Zentrale Entwicklung |
|---|---|---|---|---|
| Viertklässler | IGLU | 2001–2021 | 524 Punkte (2021) | Rückgang gegenüber 2001 und 2016 |
| Viertklässler | IGLU | 2021 | 25,4 % unter Stufe III | Anteil höher als 2001 und 2016 |
| 15-Jährige | PISA | 2000–2025 | 465 Punkte (2025) | niedrigster deutscher Wert seit PISA-Beginn |
| 15-Jährige | PISA | 2022–2025 | −15 Punkte | weiterer Rückgang |
| 15-Jährige | PISA | 2025 | 68 % mindestens Stufe 2 | 32 % unter Mindestniveau |
Die beiden Studien weisen somit in dieselbe Richtung: Sowohl am Ende der Grundschule als auch bei 15-Jährigen sind in den jüngsten verfügbaren Erhebungen schwächere Ergebnisse festzustellen. Eine aktuelle gemeinsame Analyse des Instituts für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund beschreibt die Entwicklung von IGLU und PISA als miteinander zusammenhängenden langfristigen Trend.
Warum sind IGLU und PISA getrennt zu betrachten?
Bei Statistiken zur Lesekompetenz ist es wichtig, nicht unterschiedliche Messsysteme miteinander zu vermischen.
IGLU untersucht Kinder am Ende der vierten Klasse. Im Mittelpunkt stehen unter anderem das Verstehen literarischer Texte und von Sachtexten. PISA richtet sich dagegen an 15-Jährige und untersucht Lesekompetenz im Zusammenhang mit der Fähigkeit, Informationen aus unterschiedlichen Texten zu verstehen, zu nutzen und zu bewerten.
Das IQB führt IGLU als repräsentative Untersuchung der Lesekompetenz am Ende der vierten Jahrgangsstufe. Für PISA werden 15-Jährige untersucht.
Deshalb bedeutet beispielsweise ein IGLU-Wert von 524 Punkten nicht, dass ein 15-Jähriger mit 524 Punkten bei PISA vergleichbar wäre. Die Skalen haben unterschiedliche Konstruktionen.
Lesekompetenz 2026: Was ist der aktuelle Stand?
Für das Jahr 2026 sind zwei Entwicklungen besonders wichtig. Bei den Grundschülern wurde eine neue IGLU-Erhebung durchgeführt. An den Ergebnissen lässt sich künftig ablesen, ob sich die zwischen 2001 und 2021 beobachtete Entwicklung fortsetzt oder verändert.
Bei den Jugendlichen liegt mit PISA 2025 dagegen bereits ein aktuelles Ergebnis vor. Mit 465 Punkten erreichten die 15-Jährigen in Deutschland einen neuen Tiefststand innerhalb der PISA-Zeitreihe.
Die aktuellen PISA-Ergebnisse zeigen außerdem, dass Deutschland nicht isoliert betrachtet werden kann. Auch im OECD-Raum sind die durchschnittlichen Leseleistungen zurückgegangen. Die OECD berichtet für den Zeitraum 2015 bis 2025 einen Rückgang des OECD-Mittelwerts um 28 Punkte.
Lesekompetenz und Bildungschancen
Lesekompetenz ist eine grundlegende Voraussetzung für das Lernen in nahezu allen Schulfächern. Schwierigkeiten beim Textverständnis können deshalb Auswirkungen haben, die über den Deutschunterricht hinausreichen.
Die Studien zeigen zudem Unterschiede innerhalb der Schülerschaft. Bereits IGLU 2021 stellte eine hohe und seit 2001 gestiegene Heterogenität der Leseleistungen fest. Bei PISA 2025 berichtet die OECD ebenfalls über erhebliche Leistungsunterschiede zwischen verschiedenen Schülergruppen.
Die Daten sollten deshalb nicht ausschließlich als Durchschnittswerte interpretiert werden. Für das Bildungsmonitoring sind sowohl die mittlere Leistung als auch die Anteile besonders schwacher und besonders leistungsstarker Schülerinnen und Schüler relevant.
Fazit: Lesekompetenz im Zeitverlauf 2026
Die verfügbaren Bildungsstudien zeichnen für Deutschland ein langfristig rückläufiges Bild der Lesekompetenz.
Bei den Viertklässlern sank der IGLU-Mittelwert von 539 Punkten im Jahr 2001 auf 524 Punkte im Jahr 2021. Gleichzeitig stieg der Anteil der Kinder unter Kompetenzstufe III von 17,0 auf 25,4 Prozent. Die nächste IGLU-Erhebung wurde 2026 durchgeführt; ihre Ergebnisse stehen noch aus.
Bei den 15-Jährigen sank der PISA-Wert von 498 Punkten im Jahr 2018 über 480 Punkte im Jahr 2022 auf 465 Punkte im Jahr 2025. Damit wurde der niedrigste deutsche Wert seit Beginn der PISA-Erhebungen erreicht. 68 Prozent erreichten 2025 mindestens Kompetenzstufe 2, während rund ein Drittel darunter blieb.
Für eine Bewertung der Entwicklung 2026 sind daher insbesondere die noch ausstehenden Ergebnisse der IGLU-Erhebung 2026 interessant. Sie werden zeigen, wie sich die Lesekompetenz am Ende der Grundschule seit 2021 entwickelt hat.